Japanisches Frühstück geht heute schon besser. Ich bin der einzige von uns, der sich noch einmal an den trockenen Fisch traut. Unsere hundertjährigen Eier haben wir bis auf eins auch gegessen. Zur Freude der Kinder waren es Schokoladeneier. Ich glaube nicht, dass es für ein Schokoladenei die sieben Jahre längeres Leben gibt. Aber immerhin hatten wir so noch ein wenig Ostern. Wir mussten versprechen, Ostern nächstes Wochenende nachzufeiern. Mit Eierfärben, -suchen etc.. Oma hat Eierfarbe gekauft und schon verschickt. Wenn wir zurück sind wird es das wohl nicht mehr geben. Dann geht es ja schon straff auf Weihnachten zu und die ersten Lebkuchen werden angeboten. Das ist eigentlich auch gut, denn dann können wir noch einmal einen Sauerbraten machen. Es war mir gar nicht bewusst, dass die Kinder so an Ostern hängen. Die ältere Frau vom Nachbartisch bestaunte Raphael beim Reisessen mit Stäbchen, wie geduldig er Reiskorn für Reiskorn aus seiner Schüssel hob und in den Mund bugsierte. Zum Dank hat sie uns unsere leere Schokoeierdose nachgetragen. Sie dachte wir hätten was vergessen. Zum Dank unsererseits haben wir ihr das letzte Schokoei geschenkt. Nach vielen Verbeugungen und Danksagungen haben wir es aus dem Frühstücksraum zum Shuttle geschafft. Dieser brachte uns bis zum nächsten Hotel. Selbst meine Engelszungen konnten die Shuttlefahrerin nicht dazu bewegen, uns noch zum 1,5 km entfernten Bahnhof zu fahren. Bus war dann auch überfüllt. Methode „Quetschen“ hat diesmal nicht funktioniert. Also dann doch Taxi. Aber wir haben den Express-Zug nach Shinjuku geschafft.
Zug war eine Wucht. Ramance Car, nagelneu und erst dieses Jahr in Betrieb gegangen. Rundum Sicht, sogar nach hinten und vorn.


Japanisches Frühstück heißt „kein Kaffee“. Das geht gar nicht. Die Zugbegleiterin konnte mir auch keinen verkaufen, wollte aber warten, bis ich in Odawara einen Kaffee gekauft hätte. Irgendwie war mir das suspekt, und ich habe mich nicht getraut, für meinen Kaffee auszusteigen. Das Beste am Zug neben der Aussicht: Ich habe die Sitze gedreht, wir saßen einander gegenüber.




Bei bestem Wetter sieht man vom Zug aus Mt. Fuji. Heute hatte sich der Berg in Wolken gehüllt. Leider. So mussten wir mit dem Bild auf dem Werbeprospekt vorlieb nehmen. Noch ein Grund, einmal wiederzukommen.
Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Fenster:




Shinjuku ist vielleicht der verkehrsreichste Bahnhof der Welt. Je nach Quelle passieren ca. drei bis fünf Millionen Passagiere den Bahnhof pro Tag. So schlimm war es dann doch nicht. Das beste Bild vom Bahnhof waren die Leckerein (Julia, nur für Dich!).

Wir haben uns mit Fragen ganz gut durchgefunden. Überhaupt trauen wir uns immer öfter zu fragen und bekommen auch immer gut Auskunft. Hotel haben wir schnell gefunden, es war eine positive Überraschung. Ich würde sagen das ist fast ein Geheimtipp. Für hundert Euro die Nacht und Zimmer ist das für Tokio erschwinglich und es liegt relativ zentral.
Heute wollten wir Shibuya unsicher machen. Nachdem wir zunächst den falschen Bahnhofsausgang benutzt hatten, fanden wir dann doch das richtige Hochhaus mit den vielen Restaurants im sechsten und siebten Stock. Auf dem Weg dorthin wären wir fast im Lindt Shop gelandet. Vorletzte Chance auf Ostern. Im sechsten Stock hatten wir dann wieder die Qual der Wahl. Mit den Entscheidungskriterien sind wir mittlerweile sehr pragmatisch. Japanisch soll es sein (Nudeln, Pizza etc. gibt es zu Hause) und die Wartezeit gering. So landeten wir in einem Restaurant mit Schweineschnitzeln japanischer Art. Sehr köstlich. Muss jede Menge Zucker in der Panade gewesen sein. Frisch gestärkt macht shoppen auch viel mehr Spaß. Birgit kam auf dem Weg ach unten nicht an einer tollen Kopfbedeckung vorbei. Vielleicht gibt es ja in den nächsten Tagen noch ein Bild davon. Wieder auf der Strasse fühlten wir uns stark genug für die verrückteste Kreuzung der Welt: Shibuya Crossing. Einmal rings herum und dann in den 109 for Men.


Der war nicht so besonders. Also gingen wir in das Viertel Shimokita, laut Lonely Planet gemütlich, mit engen Straßen, vielen Restaurants, Kaffees und Second Hand Läden mit vielen jungen Menschen. Wir haben auch sofort ein schönes Kaffe gefunden. Kaffee Late und Käsekuchen sage ich nur.


Raphael wollte gern eine Geldbörse. In Shimokita haben wir keine gefunden. Aber John Lennon Platten, einen tollen Kaffe Laden und John Lennon Brillen. Einer unserer Nachbarn wäre hier gestrandet.

Bemerkenswert ist die Vielfältigkeit der Reize, die auf einen einprasselt. Die Kleidung der Menschen, Werbung, Schaufensterauslagen, Dinge, die man noch nie vorher gesehen hat. Dabei wurde mir wieder bewusst, dass größere Städte viel stimulierender auf Kreativität wirken als kleiner Städte (Geoffrey West).



Im dritten Kaufhaus in Shibuya sind wir dann fündig geworden. Die Kinder waren durch und wir wollten nur noch in unser Hotel. Was ist das, unser WiFi geht nicht mehr. Zu viele Netze, wir bekommen keinen Kontakt mehr zum Internet. Gestrandet. Keine Karte, keine Ahnung wo hin. Wieder hilft Fragen. Auf die Frage ob jemand Englisch spricht bekommen wir nur ablehnende Antworten. Aber ein Handy dürfen wir dann doch benutzen. Allerdings alles japanisch. Wir finden Google Maps und unser Hotel sowie die Farbe unserer U-Bahn. Von hier an finden wir uns zurecht und auch zurück zum Hotel. Für morgen habe ich mir eine Karte besorgt, als Plan B. Ganz altmodisch. Sicher ist sicher.

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